Wie Führungskräfte das Gejammer ihrer Mitarbeiter nutzen können

Wie Führungskräfte das Gejammer ihrer Mitarbeiter nutzen können

So manche Führungskraft kann das ewige Gejammer ihrer Mitarbeiter einfach nicht mehr hören. So gut wie jeden Tag gibt es mindestens einen Mitarbeiter, der sich über etwas beschwert, sich beklagt oder etwas zu meckern hat.

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Da ist es durchaus verständlich, wenn die Führungskraft ihre Ohren früher oder später auf Durchzug stellt. Doch genau das ist ein Fehler. Denn die Klagelieder der Mitarbeiter können wertvoller sein, als es auf den ersten Blick scheint.

Dass Menschen jammern, sich beklagen und ihre Unzufriedenheit äußern, ist normal. Jedenfalls in unserem Kulturkreis. Während die Menschen in anderen Erdteilen zufriedener scheinen oder ihren Missmut zumindest für sich behalten, neigen die Deutschen tendenziell eher zum Klagen.

Das belegt auch eine Studie zum Thema Zufriedenheit aus dem Jahr 2017. Demnach gaben gerade einmal rund zehn Prozent der Befragten an, dass sie sehr zufrieden seien. Knapp 20 Prozent der Befragten waren zumindest zufrieden und ein gutes Viertel war teils zufrieden und teils unzufrieden. Der Rest, und das waren immerhin über 40 Prozent der Befragten, gab an, nicht so ganz oder sogar komplett unzufrieden zu sein.

Von ganz ähnlichen Zahlen kann die Führungskraft auch in ihrem Team ausgehen. Natürlich gibt es Mitarbeiter, die sich wohlfühlen und nichts zu beanstanden haben. Aber im Team wird es eben mindestens genauso viele Mitarbeiter geben, die nicht ganz oder gar nicht zufrieden sind. Und die Gründe dafür können vielfältig sein.

So hätte der eine Mitarbeiter vielleicht gerne ein höheres Gehalt, ein anderer Mitarbeiter würde sich flexiblere Arbeitszeiten wünschen. Ein dritter Mitarbeiter hat womöglich das Gefühl, dass die ganze Arbeit an ihm hängenbleibt und er immer mehr Zusatzaufgaben aufgebrummt bekommt. Fehlende Kommunikation, keine Weiterbildungsmöglichkeiten, zu wenig Anerkennung oder Projekte, die einfach nicht vorwärtskommen, können weitere Ursachen für den Missmut am Arbeitsplatz sein.

 

Führungskräfte sollten Ihre Denkweise ändern  

Am Arbeitsplatz kommen viele verschiedene Charaktere zusammen. Konflikte sind deshalb praktisch unvermeidbar. Und es wird immer den einen oder anderen Mitarbeiter geben, dem etwas nicht passt. Beschwerden und Gejammer sind daher letztlich ein ganz normaler Bestandteil des Berufsalltags. Daran wird sich wohl auch nichts ändern. Aber die Führungskraft kann und sollte ihren Umgang mit dem Gejammer der Mitarbeiter überdenken.

Tut die Führungskraft das Lamento ihrer Mitarbeiter als einfaches Genörgel ab oder überhört sie es ganz bewusst, wird die Unzufriedenheit auf lange Sicht zunehmen. Denn der Frust des betroffenen Mitarbeiters wird wachsen, während seine Motivation zunehmend schwindet.

Gleichzeitig wird sich seine schlechte Stimmung früher oder später auf das Team übertragen. Eine problematische Kommunikation, ein schlechteres Betriebsklima, eine sinkende Produktivität und immer weniger Engagement im Team können dann die Folgen sein. Hört die Führungskraft hingegen genauer hin, kann das Gejammer neue Chancen eröffnen und positive Effekte entstehen lassen.

 

Wie Führungskräfte das Gejammer ihrer Mitarbeiter nutzen können

Ein Unternehmen ohne jammernde Mitarbeiter gibt es nicht und wird es auch nie geben. Die heile Welt am Arbeitsplatz mit zufriedenen und motivierten Mitarbeitern in einem produktiven und innovativen Umfeld mag zwar das Ideal sein, das angestrebt wird. Doch in der Realität wird immer irgendwo ein Problem auftreten – und das zusammen mit einem Mitarbeiter, der sich darüber beklagt.

Tatsächlich ist genau das aber auch gut so. Denn die Führungskraft kann die Beschwerden und Klagen nutzen, um etwas zu verändern. Gäbe es keine Beschwerden mehr, gäbe es auch keine Ansatzpunkte für Veränderungen und damit keinen Fortschritt.

Und welches Unternehmen kann sich in der heutigen Geschäftswelt einen Stillstand leisten? Die Führungskraft ist also gut beraten, wenn sie das Gejammer ihrer Mitarbeiter als Möglichkeit begreift, Neues anzustoßen.

Zumal sich aus dem richtigen Umgang mit Beschwerden direkt positive Folgen für die alltägliche Zusammenarbeit ergeben können:

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  • Die Mitarbeiter gewinnen Vertrauen in die Führungskraft, weil sie wissen, dass die Führungskraft ein offenes Ohr für ihre Anliegen hat.
  • Die Führungskraft erfährt frühzeitig von schwelenden Konflikten und kann so rechtzeitig gegensteuern.
  • Die Mitarbeiter fühlen sich ermutigt, Dinge offen anzusprechen und selbst in die Hand zu nehmen, um Lösungen zu finden. Das stärkt die Eigenverantwortung und wirkt sich in der Folge positiv auf die Zufriedenheit am Arbeitsplatz und die Motivation aus.
  • Die Führungskraft entlastet sich selbst, wenn mit Beschwerden konstruktiv umgegangen wird. Statt immer nur zu jammern, werden nämlich Lösungen erarbeitet und Veränderungsprozesse angestoßen.
  • Die Mitarbeiter sind eher bereit, ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Sie beschweren sich nicht nur über zu viel Arbeit oder ungünstige Abläufe, sondern überlegen aktiv, was anders gemacht werden könnte. Das senkt die Fehlerquote, steigert die Produktivität und erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit.

Wie Führungskräfte richtig mit den Beschwerden ihrer Mitarbeiter umgehen

Natürlich werden sich nennenswerte Veränderungen kaum von heute auf morgen einstellen. Sowohl die Mitarbeiter als auch die Führungskraft müssen lernen, Beschwerden als etwas zu begreifen, von dem am Ende alle profitieren können. Andererseits fehlt im Tagesgeschäft schlichtweg die Zeit, um jedes noch so kleine Problem in allen Einzelheiten auszudiskutieren.

Und selbstverständlich gibt es Mitarbeiter, die gar nicht an Veränderungen interessiert sind, sondern letztlich einfach nur gerne lamentieren. Außerdem gehört es nicht zu den Aufgaben der Führungskraft, den Seelenklempner für lebensunzufriedene Mitarbeiter zu spielen.

Zu einem richtigen Umgang mit Gejammer gehört deshalb nicht nur, den Mitarbeitern zu vermitteln, dass die Führungskraft ein offenes Ohr für die Anliegen hat. Stattdessen sollte die Führungskraft klare Regeln für die Beschwerden aufstellen.

Beispielsweise so:

  • Tritt ein Problem auf, soll der Mitarbeiter seine Beschwerde auf den Punkt gebracht notieren. Er soll also konkret werden und aufschreiben, was ihm nicht passt.
  • Anschließend soll der Mitarbeiter seine Beschwerde um zwei, drei oder mehr Lösungsvorschläge ergänzen. Er soll aus seiner Sicht schildern, wie das Problem seiner Meinung nach behoben werden könnte. Durch diese Vorgabe verhindert die Führungskraft zum einen, dass die Mitarbeiter wegen jeder Kleinigkeit an sie herantreten. Zum anderen wirkt sie ziellosem Genörgel entgegen.
  • Mit seinen Aufzeichnungen kommt der Mitarbeiter zur Führungskraft. Und kann sich sicher sein, dass er ehrliches Gehör findet.
  • Im vertraulichen Gespräch bespricht die Führungskraft die Problematik mit dem Mitarbeiter und entscheidet gemeinsam mit ihm über die weitere Vorgehensweise.

Auf diese Weise macht die Führungskraft auf der einen Seite deutlich, dass sie die Beschwerden ihrer Mitarbeiter ernst nimmt und sich für deren Anliegen interessiert. Auf der anderen Seite fördert die Führungskraft die Eigenverantwortung und die Lösungskompetenzen ihrer Mitarbeiter. Im Ergebnis kann das Gejammer produktiv genutzt werden, ohne dass die Führungskraft wegen jeder kleinsten Kleinigkeit behelligt wird.

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Sabine Nauer, 38 Jahre, Trainingsentwickler und Berater Personalentwicklung, Michael Patzek, 44 Jahre, Personalreferent, Maike Müller, 41 Jahre, Trainingscoach für Führungskräfte, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Anleitungen und Ratgeber zur Motivation von Mitarbeitern, Weiterbildung von Führungskräften und dem Personalwesen.

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