Du oder Sie? Tipps für Führungskräfte

Du oder Sie? Tipps für Führungskräfte

Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre ein Duzen am Arbeitsplatz undenkbar gewesen. Heute ist es nicht unüblich, dass sich die Kollegen untereinander mit „Du“ ansprechen. Und selbst gegenüber dem Chef ist die vertrauliche Anrede keine Seltenheit mehr.

Das Duzen wird als Teil der Unternehmenskultur verstanden und soll das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Im Unterschied dazu unterstreicht das „Sie“ die hierarchischen Ebenen und wahrt die Distanz. Doch die förmliche Anrede kann auch ein klarer Vorteil sein, beispielsweise dann, wenn Konflikte gelöst, konstruktive Kritikgespräche geführt oder unpopuläre Entscheidungen verkündet werden müssen.

Vielen Führungskräften fällt ein „Herr Müller, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihr Arbeitsvertrag nicht verlängert wird.“ einfach leichter als ein „Peter, ich muss Dir leider sagen, dass Dein Arbeitsvertrag nicht verlängert wird“. Und auch der Mitarbeiter nimmt eine solche Ansage oft weniger persönlich, wenn sie in der Sie-Form formuliert wird.

Aber was heißt das für die Praxis? Für welche Anredeform sollte sich die Führungskraft entscheiden? Wann und von wem wird das „Du“ eigentlich angeboten? Und was ist, wenn ein Mitarbeiter partout auf das „Sie“ besteht?

Hier ein paar Infos und Tipps für Führungskräfte!:

 

Du oder Sie? – Welche Vor- und Nachteile hat die persönliche Anrede?

Zu den größten Vorteilen von einem generellen Duzen am Arbeitsplatz gehört, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt wird. Alle Mitarbeiter fühlen sich als gleichwertige Teile des Teams. Dies schafft nicht nur Vertrautheit und lässt ein partnerschaftliches Arbeitsklima entstehen, sondern macht auch die Integration neuer Mitarbeiter ins Team einfacher.

Außerdem werden hierarchische Ebenen aufgeweicht. Dies führt zum einen dazu, dass Hemmschwellen und Distanzen abgebaut werden. Zum anderen wird die Kommunikation gefördert, denn die Führungskraft wird eher als Teammitglied gesehen und somit auch bei schwierigen oder unangenehmen Fragen eher angesprochen.

Allerdings kann ein generelles Duzen auch dazu führen, dass die Arbeitsatmosphäre etwas zu locker und kumpelhaft wird und das respektvolle, professionell distanzierte Miteinander auf der Strecke bleibt. Für die Führungskraft kann es schwerer werden, Anweisungen und Aufgabenverteilungen durchsetzen und als Vorgesetzter wahrgenommen zu werden. Zudem kann es passieren, dass die Grenzen zwischen beruflichen und privaten Themen verschwimmen.

 

Du oder Sie? – Welche Vor- und Nachteile bringt die förmliche Anrede mit sich?

Bleibt es zwischen den Kollegen und gegenüber der Führungskraft beim „Sie“, ist das Miteinander freundlich, aber etwas distanzierter. Die förmliche Anrede fördert eine diskrete, respektvolle und professionelle Arbeitsatmosphäre. Die hierarchischen Ebenen bleiben gewahrt und die Führungskraft wird stärker als Vorgesetzter wahrgenommen.

Zudem werden persönliche Empfindungen oder negative Äußerungen oft sachlicher und niveauvoller kommuniziert. Ein „Du Blödmann“ kommt einem Mitarbeiter schließlich im Eifer des Gefechts schneller einmal über die Lippen als ein „Sie Blödmann“.

Auf der anderen Seite kann die Sie-Form steif und altbacken wirken. Sie kann zu einer kühlen und nüchternen Atmosphäre führen, die die Vertrautheit und den Teamgeist vermissen lassen kann. Außerdem kann sie eine trügerische Sicherheit vermitteln, denn nur weil beispielsweise die Führungskraft gesiezt wird, heißt das noch lange nicht, dass sie von den Mitarbeitern auch als Vorgesetzter respektiert wird.

Richtig problematisch wird es aber dann, wenn die Anredeform im Team uneinheitlich gehandhabt wird. Werden ein paar Mitarbeiter geduzt und andere gesiezt, entsteht schnell der Eindruck, dass nicht alle Mitarbeiter richtig zum Team gehören. Schlimmstenfalls kann das „Sie“ in diesem Fall sogar so gedeutet werden, dass der jeweilige Kollege nicht unbedingt beliebt ist und deshalb bewusst auf Abstand gehalten werden soll. Dies wiederum ist weder für die Motivation noch für die Arbeitsatmosphäre und die Produktivität förderlich.

 

Du oder Sie? – Was ist besser?

Letztlich gibt es keine allgemeingültige Antwort darauf, welche Anredeform die bessere Wahl ist. Beide Varianten haben ihre Vor-, aber auch ihre Nachteile. Zudem hängt es von der Unternehmenskultur und dem Team selbst ab, welche Anrede geeigneter ist. Statt sich auf eine klare Anredeform festzulegen, kann auch der Zwischenweg eine gute Lösung sein.

So ist es beispielsweise möglich, sich mit dem Vornamen und in der Sie-Form anzusprechen. Vor allem bei jüngeren Mitarbeitern kommt diese Variante oft sehr gut an. Denn für eine Ansprache mit „Frau“ oder „Herr“ fühlen sie sich mitunter zu jung, erfahren durch das „Sie“ aber trotzdem den gewünschten Respekt.

Auch vor Kunden wirkt die Kombination aus Vorname und „Sie“ professionell und vermittelt die richtige Mischung aus Vertrautheit und Distanz. Im Unterschied dazu wirkt die Kombination aus „Frau/Herr …“ und „Du“ merkwürdig.

 

Du oder Sie? – Wer bietet das „Du“ an?

Wenn es darum geht, wer das „Du“ anbietet, so gibt es eine klare Regel: Die Initiative geht immer vom Ranghöheren aus. Anders als im Privatbereich spielen das Alter oder das Geschlecht hier keine Rolle.

Derjenige, der in der Firmenhierarchie höher steht, ist derjenige, der das „Du“ anbietet. Selbst wenn die Führungskraft noch sehr jung ist und einer ihrer Mitarbeiter locker ihr Vater sein könnte, ist also die Führungskraft als Vorgesetzter diejenige, die ihrem Mitarbeiter das Duzen vorschlägt.

Treffen zwei gleichrangige Kollegen aufeinander, bleibt das Angebot, sich zu duzen, dem Kollegen vorbehalten, der schon länger für das Unternehmen tätig ist.

Aber es gibt noch eine zweite, sehr wichtige Regel: Wurde einmal das „Du“ vereinbart, dann bleibt es auch dabei. Es ist kaum möglich, das „Du“ zurückzunehmen und zum „Sie“ zurückzukehren, ohne dass die kollegiale Beziehung Schaden nimmt. Vor allem die Führungskraft sollte sich deshalb gut überlegen, mit wem sie künftig per „Du“ sein möchte.

Sich zu duzen, ist schließlich keine Voraussetzung dafür, dass sich ein freundschaftliches Miteinander und ein Zusammengehörigkeitsgefühl einstellen. Dazu gehören weit mehr Faktoren als nur die Anrede. Nicht empfehlenswert ist außerdem, zwischen den Anredeformen hin- und herzuwechseln.

Bietet die Führungskraft ihrem Team beispielsweise bei einer Firmenfeier oder einem Betriebsausflug das „Du“ an, kehrt am nächsten Arbeitstag aber wieder zum „Sie“ zurück, sorgt dies letztlich nur für Verwirrung und Unsicherheit.

 

Du oder Sie? – Was ist, wenn ein Kollege zur Führungskraft wird?

Wird ein langjähriger Kollege befördert oder wird die Kollegin, die die Mitarbeiter erst als Praktikantin und danach als Auszubildende angeleitet haben, zur neuen Chefin, stellt sich die Frage, wie die Anrede künftig gehandhabt wird. Generell gilt hier, dass die Führungskraft die gewünschte Anredeform vorgibt. Allerdings ist dabei etwas Fingerspitzengefühl gefragt.

Besteht die Führungskraft vehement auf das „Sie“, kann schnell der Eindruck entstehen, dass sie sich nun als etwas Besseres sieht. Ein überhebliches Auftreten kann die Mitarbeiter aber vor den Kopf stoßen und sowohl den Teamgeist als auch die Motivation belasten.

Belässt sie es hingegen beim „Du“, obwohl es in der Firma eigentlich nicht üblich ist, den Vorgesetzten zu duzen, kann der Teamgeist die Vorgesetztenfunktion untergraben. Wichtig ist deshalb, dass die neue Führungskraft von Anfang an klarstellt, wer das letzte Wort hat. Präsentiert sich der oder die Vorgesetzte fachlich und persönlich kompetent, ihr Team zu führen, wird die Anredeform schnell zur Nebensache.

Du oder Sie? – Was ist, wenn ein Mitarbeiter auf das „Sie“ besteht?

Auch wenn es üblich und Teil der Unternehmenskultur ist, sich zu duzen, kann es immer wieder Mitarbeiter geben, die gesiezt werden möchten. Rein rechtlich gesehen, muss die Führungskraft diesem Wunsch nicht entsprechen. Und sie muss auch die übrigen Mitarbeiter nicht dazu auffordern, den jeweiligen Kollegen zu siezen.

Ein Arbeitgeber hat zwar eine Fürsorgepflicht, die ihn dazu veranlasst, das Wohl und die Interessen seiner Arbeitnehmer zu berücksichtigen und sie vor Schäden zu schützen. Zu diesen Schäden können durchaus auch abfällige oder beleidigende Äußerungen gehören.

Wird ein Mitarbeiter gegen seinen Willen geduzt, mag das zwar unhöflich oder taktlos sein, eine Beleidigung ist dies aber für sich gesehen nicht. Auch das durch das Grundgesetz garantierte Persönlichkeitsrecht wird meist nicht verletzt. Denn wenn das „Du“ am Arbeitsplatz fester Bestandteil der gelebten Unternehmenskultur ist, wiegt das Interesse des Arbeitgebers daran, die spezifische Unternehmenskultur aufrechtzuerhalten, schwerer als das Interesse des Mitarbeiters am „Sie“.

Trotzdem ist die Führungskraft gut beraten, den jeweiligen Mitarbeiter zu siezen. So bringt sie nämlich zum Ausdruck, dass sie seine Haltung respektiert. Der Mitarbeiter wird dadurch sicher motivierter sein, als wenn ihm die Führungskraft Gepflogenheiten aufzwingt, mit denen der Mitarbeiter unglücklich ist.

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